FKM (Fluorkautschuk) – Werkstoffanalyse hochbeständiger Elastomere
FKM gehört zur Gruppe der Fluorelastomere und zeichnet sich durch hohe Temperaturbeständigkeit sowie sehr gute Resistenz gegenüber Ölen, Kraftstoffen und zahlreichen Chemikalien aus. Aufgrund dieser Eigenschaften wird FKM vor allem in anspruchsvollen Dichtanwendungen eingesetzt, etwa in der Automobiltechnik, im Anlagenbau oder in der chemischen Industrie.
Im Gegensatz zu thermoplastischen Werkstoffen handelt es sich bei FKM um einen vernetzten Elastomerwerkstoff. Die Eigenschaften werden wesentlich durch Polymerzusammensetzung, Fluorgehalt, Vernetzungssystem und Füllstoffanteil bestimmt. Für eine werkstofftechnische Bewertung ist daher die Betrachtung des gesamten Compounds erforderlich.

Struktur- und eigenschaftsbestimmende Parameter
Die Eigenschaften von FKM werden insbesondere beeinflusst durch:
- Monomerzusammensetzung und Fluorgehalt
- Vernetzungssystem, z. B. Peroxid- oder Bisphenol-Vernetzung
- Vernetzungsdichte
- Art und Menge der Füllstoffe
- thermische und chemische Beanspruchung im Einsatz
Unterschiede in der Vernetzungschemie wirken sich unmittelbar auf Druckverformungsrest, Temperaturbeständigkeit und Medienresistenz aus. Auch Nachvernetzung oder thermische Alterung können die Werkstoffeigenschaften verändern.
Typische werkstofftechnische Fragestellungen bei FKM
- Liegt thermische Alterung oder Kettenabbau vor?
- Ist die Vernetzungsdichte verändert?
- Sind Medien in den Werkstoff eingedrungen?
- Gibt es Hinweise auf Nachvernetzung oder unzureichende Aushärtung?
- Ist das Versagen auf Werkstoffzustand oder Anwendungsüberlastung zurückzuführen?
Unter erhöhten Temperaturen kann es zu strukturellen Veränderungen im Elastomernetzwerk kommen. Langzeitbeanspruchung führt häufig zum Anstieg der Härte, zu Versprödung und Rissbildung oder zu Veränderungen des Setzverhaltens (z. B. Druckverformungsrest). In aggressiven Medien kann zusätzlich eine Quellung auftreten, was die mechanischen Eigenschaften ebenfalls beeinflusst. Verschiedene Alterungsprozesse können sich gegensätzlich z. B. in Bezug auf die Härte auswirken.
Zur Bewertung werden thermische Analyseverfahren zur Untersuchung des Zersetzungsverhaltens eingesetzt. Die Bestimmung von Vernetzungsgrad und Quellverhalten erlaubt Rückschlüsse auf Netzwerkstruktur und Alterungszustand. Spektroskopische Untersuchungen können chemische Veränderungen oder Medienaufnahme nachweisen. Ergänzend liefert die mikroskopische Analyse Hinweise auf Rissinitiierung und -verlauf.
Branchenbezug – FKM in anspruchsvollen Dichtsystemen
Die Einsatzbedingungen von FKM sind stark branchenabhängig. In allen Bereichen ist die Abgrenzung zwischen werkstoffbedingter Alterung, fehlerhafter Auslegung und anwendungsbedingter Überlastung wesentlich für die Ursachenanalyse.
Automobil- und Antriebstechnik
Dichtungen und O-Ringe stehen unter thermischer Dauerbelastung und Kontakt mit Kraftstoffen oder Schmierstoffen. Alterung und Druckverformungsrest sind hier zentrale Bewertungsgrößen.
Chemische Industrie und Anlagenbau
Kontakt mit aggressiven Medien erfordert eine differenzierte Betrachtung von Quellverhalten und chemischer Stabilität.
Luftfahrt und Energietechnik
Hohe Temperaturen und wechselnde Druckbedingungen stellen besondere Anforderungen an Vernetzungsstruktur und Langzeitstabilität.
Werkstofftechnische Bewertung von FKM
PSM untersucht FKM-Compounds hinsichtlich Polymerstruktur, Vernetzungszustand, Füllstoffsystem und möglicher Alterungsmechanismen. Durch die Kombination aus thermischer Analyse, Quelluntersuchungen, spektroskopischer Charakterisierung und mechanischer Prüfung lassen sich thermische Schädigung, Medienangriff oder Veränderungen der Vernetzungsdichte differenziert einordnen. Gerade auch das für Dichtungsanwendungen relevante Langzeitverhalten (Kriechen, Relaxation) kann mittels Zeitstandzugversuch abgebildet werden. Dies ist insbesondere bei Dichtungsversagen, erhöhtem Druckverformungsrest oder ungeklärten Langzeitschäden von Bedeutung.
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